Der Baikalsee

 

 Flora und Fauna 

Wie eine Perle liegt der größte Süßwassersee der Erde, der Baikal, eingebettet zwischen den Hochgebirgen Südsibiriens. Vieles an ihm ist einzigartig, vieles erstaunlich, aber noch mehr bezaubert er durch die Schönheit seiner zum großen Teil unberührten Natur. Sein Name bedeutet im Burjatischen „der reiche See“, die Russen nennen ihn „das heilige Meer der Burjaten“. In seinem Wasser, das fast überall noch Trinkwasserqualität hat, hat sich eine reiche Tier- und Pflanzenwelt erhalten, die so an keinem anderen Platz der Erde zu finden ist.

Ähnlich abgeschieden wie sonst nur die Antarktis wurde der See seit  mehr als 25 Millionen Jahren seinem Schicksal überlassen, was ihn gleichzeitig auch zum ältesten See der Erde macht. 20 Prozent des gesamten Süßwassers der Erde befinden sich in seinen Tiefen, die bis weit über 1500 m reichen. Er ist damit auch der tiefste See der Erde. Tiere und Pflanzen in und um den See konnten sich in der langen Zeit seiner Existenz und seines kontinuierlichen Wachstums an seine einzigartige Natur anpassen. Über 1700 Tier- und Pflanzenarten leben hier und 80 % von ihnen findet man nur hier und nirgendwo sonst auf der Erde.

Sein größter Bewohner ist die Baikalrobbe. Sie lebt als einzige Robbenart nur im Süßwasser, ihre nächsten Verwandten, die Ringelrobben, finden sich tausende Kilometer entfernt im Polarmeer. Sie wanderten vor 400.000 Jahren in den Baikalsee ein, wahrscheinlich über die Angara. Seitdem hat sich die Robbe ideal an das Leben in der Tiefe angepasst. Bis zu 300 Meter kann sie tauchen, da sie 2 Liter mehr Blut besitzt als ihre marinen Verwandten. Vor den eisigen Temperaturen im See schützt sie ein extra dickes Fettpolster, das ihr ein Teddybär-artiges Aussehen verleiht.

Um sich dieses possierliche Aussehen zu erhalten, braucht die Baikal-Robbe auch eine gehaltvolle Ernährung. Diese bietet ihr ein Fisch, wie man ihn sonst nirgendwo findet: der Golomyanka oder Öl-Fisch. Er ist zwar nur so lang wie eine Handfläche, aber dafür besticht er durch seine „inneren“ Werte. Zu einem Drittel besteht er aus einem medizinisch wirksamen Öl, wodurch er in Tiefen tauchen kann, in denen selbst eine Kanone nicht mehr schießen könnte, weil der hohe Druck die Kugel in den Lauf drücken würde. Der Golomyanka gebärt lebende Junge und vermehrt sich so rasch, dass ohne die Baikalrobbe das ökologische Gleichgewicht des Sees kippen würde.

Dass das nicht passiert, dafür sorgt auch ein viel kleinerer Bewohner des Baikal: Der Jur. Der Jur, der wissenschaftlich Macroheptus genannt wird und zu den Seitenschwimmern gehört, ist das wohl verfressenste Tier, das der See zu bieten hat. Er ist nur wenige Millimeter lang, aber in seinem Maul verschwindet jedes biologische Material, das in den See gelangt. Eine Leiche, die in den See geworfen wird – rein hypothetisch – zerlegt er in nur 7 Tagen – spurlos. Und das bei Wassertemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt! Einen so anspruchslosen Mitarbeiter würde man in Sizilien wohl kaum finden.

Der Jur ist aber nicht der einzige Wirbellose, der sich im Baikalsee zu etwas Besonderem gemausert hat. Bis hinab zum Grund haben Tiere (und Pflanzen) den Baikal besiedelt. Plattwürmer beispielsweise, die man sonst nur in der Länge von Fingernägeln findet, erreichen hier Längen von einem halben Meter! Die Pflanzenwelt um den Baikalsee besticht vor allem durch ihre wilde Schönheit. Lärchen und Zedern an seinen Ufern haben seltsame Formen ausgebildet, viele von ihnen sind über ein halbes Jahrtausend alt.

Die Bewohner der Baikalregion selbst schätzen vor allem den Fischreichtum des Sees. Beliebte Speisefische sind der Omul und der Baikal-Weißfisch, die zu den Lachsartigen gehören. Sie werden in Mengen gefangen und werden in den Orten der Region überall zum Kauf und auch zubereitet angeboten.