Die Kiewer Rus und der Ferne Osten

 

Der Mongolensturm

Nach der Gründung der Kiewer Rus durch skandinavische Kaufleute schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich das neue Reich auch Richtung Osten richten würde. Die Rus oder Waräger, wie sie auch genannt wurden, waren das raue Klima gewohnt und mit den reichen Pelzen, die die Taiga lieferte, ließ sich in Byzanz gutes Geld verdienen. Doch zunächst schien es, als sollten die Russen selbst zu Eroberten werden. 1223 waren die Mongolen eingefallen und die Fürsten der Rus hatten genug damit zu tun, das eigene Überleben zu sichern.

Mehr noch als die Hunnen davor oder die Türken danach waren die Mongolen Meister der Strategie „Teile und Herrsche“. Immerhin gelang es ihnen, den größten Flächenstaat zu errichten, den die Welt je gesehen hatte, größer als das Römische Reich oder die Sowjetunion. Und das mit einer Besatzertruppe, gegen die das Saarland wie eine Großmacht wirkt. Andererseits waren die Fürsten der Rus alles andere als einig und neideten sich gegenseitig die Würde des Großfürsten. Unter diesen Umständen ruhte jedes Bestreben der Rus nach einer Expansion nach Osten.

 

Russland auf dem Rückzug

Stattdessen ging man erst einmal in die Defensive. Bereits vor dem Mongolensturm hatte der ständige Kampf mit türkischen Völkern zu einer Abwanderung der Rus nach Norden geführt. Dadurch hatte sich auch die Hauptstadt von Kiew nach Wladimir verlagert. Denn im Norden lag das vor Reitern schützende Waldland.

Das Gebiet im Südosten dagegen, gleich hinter Kiew, wurde über lange Zeit einfach nur „das wilde Feld“ genannt. Seitdem das erste Mal ein Mensch auf die Idee gekommen war, sich auf den Rücken eines Pferdes zu setzen, waren über dieses Einfallstor immer wieder Stämme aus Asien nach Europa geritten. Sie hatten eine Verwüstung nach der nächsten mit sich gebracht und dabei auch die Völkerwanderung ausgelöst; kein Bauer hatte zu dieser Zeit Lust, hier sein Feld aufzuschlagen, dort, wo sich später einmal die Kornkammer Europas füllen sollte!

 

Ein neuer Anfang

Nachdem sich also das russische Machtzentrum nach Norden verlagert hatte, wurde 1321 schließlich Moskau zur Residenz der Großfürsten. Damit wurde das Großfürstentum Moskau zum dauerhaften Inhaber der russischen Krone. Die Entschlossenheit, mit der die Moskauer Fürsten in ihrem Machtanspruch auftraten, sollte auch für das restliche Russland zur Inspiration werden: Jetzt sammelten sich die Russen. Zwei große Schlachten – wovon die zweite nicht einmal mehr geschlagen wurde – besiegelten das Ende der Mongolenherrschaft: die Schlacht auf dem Schnepfenfeld 1380 und das große Gegenüberstehen an der Ugra 1480.

Es schien, als wäre Russland zu neuem Selbstbewusstsein erwacht. Die russischen Fürsten eilten von Sieg zu Sieg, gegen das Großfürstentum Litauen, das Khanat der Wolgabulgaren in Kasan und das Khanat Astrachan. Das Jahr 1547 sah schließlich einen neuen Typ Herrscher. Es war das Jahr, in dem sich Iwan IV, der Großfürst von Moskau, selbst  zum Zaren ernannte. Er sollte seinem Beinamen „der Schreckliche“ aber erst noch gerecht werden.